ARC-AGI-3: Mein erster Blick auf die Developer Preview

Von Kai Spriestersbach

Dieser Beitrag beschreibt meinen Versuch mit drei Spielen der Developer Preview von 2025. Die damaligen Ergebnisse beziehen sich auf diese frühe Testumgebung. Spätere Bewertungen bespreche ich in ARC-AGI-3: Haben GPT-5.5 und Opus 4.7 wirklich so schlecht abgeschnitten – oder wurde ihnen nur nicht genug geholfen? und ARC-AGI-3: „GPT-5.6 Sol schlägt Opus 5“ – nur ist das kein Vergleich, sondern ein Messproblem.

Im Gespräch mit Clemens Boisserée von der Rheinischen Post Ende April hatten wir gerade noch über das ernüchternde Abschneiden aktueller KI-Modelle beim damals neuen AGI-2-Benchmark gesprochen. Jetzt, nur wenige Monate später, steht schon die nächste Generation bereit – und wieder zeigt sich: Echte Denkarbeit bleibt (noch) menschlich.

ARC-AGI-3: Denkspiele statt Datenpuzzles

ARC-AGI-3, entwickelt vom KI-Forscher François Chollet und seinem Team, geht mit einem klaren Ziel an den Start: Herausfinden, ob KI-Systeme auch dann bestehen können, wenn sie völlig neues Terrain betreten – ohne Vorwissen, ohne Anleitungen, ohne kulturellen Kontext.

Das Mittel der Wahl: kleine interaktive Mini-Games in einer Grid-Welt, die wie Denkspiele aufgebaut sind. Die KI muss selbst herausfinden, was das Ziel ist, welche Regeln gelten und wie sie zum Erfolg kommt. Trial and Error, wie bei einem Kind, das zum ersten Mal ein Puzzle sieht.

Ich hab’s ausprobiert – und war fasziniert

Ich habe die drei Mini-Games aus der Developer Preview selbst durchgespielt – und es war total spannend zu erleben, welche Fähigkeiten, kleinen Experimente und Aha-Momente mich Schritt für Schritt zur Lösung gebracht haben. Man denkt, probiert, scheitert, lernt – ganz intuitiv.

KI-generiert

Mein Spielversuch zeigt, welche Exploration die Aufgaben von mir verlangten. Er ist kein kontrollierter Mensch-Modell-Vergleich und kann nicht belegen, dass Sprachmodellen flexibles Denken grundsätzlich fehlt.

Der damalige Stand der Developer Preview

Laut den Entwickler*innen lösen Menschen die Aufgaben in wenigen Minuten. Bei aktuellen KI-Modellen sieht das ganz anders aus: Keines der großen Sprachmodelle – nicht mal die neuesten – konnte bisher Punkte erzielen. Mit einer Ausnahme: Ein mysteriöser Eintrag auf dem Leaderboard, dessen Herkunft unbekannt ist. Angeblich hat OpenAIs neues ChatGPT-Agentensystem das erste Spiel bereits gelöst, aber ob das wirklich der Top-Performer ist, bleibt offen.

Der große Unterschied: Lernen in der echten Welt

Der Clou an ARC-AGI-3 ist der Wechsel vom statischen Benchmark zu interaktiven Aufgaben. Es geht nicht mehr darum, gesehene Muster wiederzuerkennen, sondern darum, zu verstehen, zu planen und sich anzupassen. Genau das machen Menschen täglich – KI dagegen tut sich hier noch erstaunlich schwer.

Oder wie das ARC-Team selbst schreibt: „Solange diese Lücke besteht, haben wir keine AGI.“

Entwickler*innen-Challenge mit 10.000 $ Preisgeld

Parallel zur damaligen Developer Preview startete HuggingFace einen vierwöchigen Sprint-Wettbewerb. Mitmachen können alle, die versuchen wollen, ein erfolgreiches KI-System zu bauen – zu gewinnen gibt’s 10.000 Dollar. Die API und alle Infos findet ihr unter arcprize.org.

Für Anfang 2026 war der vollständige Benchmark mit rund 100 verschiedenen Spielen angekündigt – ein Mix aus öffentlichen und privaten Testsets.

Fazit: AGI bleibt Zukunftsmusik

Auch mit ARC-AGI-3 zeigt sich: Trotz aller Fortschritte sind heutige KI-Systeme noch weit davon entfernt, so flexibel und einfallsreich zu denken wie wir Menschen. Der Benchmark ist ein spannender Realitätscheck – und eine Einladung an die KI-Community, nicht nur schneller, sondern auch klüger zu werden.

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Kai Spriestersbach

Geschrieben von

Ich bin Kai Spriestersbach, M.Sc. in Web Science. Ich verbinde Forschung zu generativer KI mit Erfahrung als Head of AI, technischer Entwicklung und unternehmerischer Praxis.

Als externer Head of AI und in abgegrenzten Projekten unterstütze ich Unternehmen bei Strategie, Technologieauswahl und Umsetzung. Auf AFAIK teile ich wissenschaftliche Quellen, technische Erfahrungen und nachvollziehbare Einschätzungen – mit ihren Möglichkeiten, Grenzen und offenen Fragen.

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