GEO oder SEO: Was ändert sich wirklich?

Von Kai Spriestersbach

Wenn über GEO diskutiert wird, interessiert mich vor allem eine Frage: Was müssen wir in unserer Arbeit tatsächlich verändern? Wer bisher gute Suchmaschinenoptimierung gemacht hat, fängt durch KI-Suche nicht wieder bei null an. Zugleich verändert eine generierte Antwort, wie Informationen ausgewählt werden und wie Menschen Anbieter kennenlernen.

GEO steht für Generative Engine Optimization: die Arbeit an Sichtbarkeit in generierten Antworten. SEO bleibt dabei das Fundament für auffindbare Webinhalte. GEO erweitert den Blick auf Quellen, Markennennungen und Empfehlungen. Entscheidend ist deshalb, welche zusätzliche Aufgabe du lösen möchtest, unabhängig davon, welchen Namen dein Team dafür verwendet.

Was vom klassischen SEO bleibt

Die wichtigsten Inhalte müssen erreichbar, auffindbar und verständlich sein. Eine Angebotsseite, deren Informationen technisch nicht ausgeliefert werden, bietet keine brauchbare Grundlage für eine Webrecherche. Dasselbe gilt für unklare Leistungen, veraltete Produktangaben oder unbelegte Versprechen.

Für Googles KI-Funktionen ist diese Kontinuität ausdrücklich dokumentiert: Die bestehenden SEO-Grundlagen gelten weiter; besonderes KI-Markup ist nicht erforderlich. Das steht in der Dokumentation zu AI Overviews und AI Mode. Diese Aussage betrifft die Teilnahme von Websites an Googles Suchfunktionen. Sie beantwortet noch nicht alle Fragen dazu, wie eine Marke in unterschiedlichen KI-Systemen dargestellt wird.

Ich würde deshalb zuerst prüfen, ob eine vermeintliche GEO-Maßnahme ein bisher ungelöstes SEO- oder Inhaltsproblem behebt. Wenn eine entscheidende Produktangabe fehlt, sollte sie ergänzt werden. Der Nutzen dieser Arbeit lässt sich begründen, ohne eine bestimmte KI-Empfehlung zu versprechen.

Was die generierte Antwort verändert

In einer klassischen Trefferliste konkurrieren sichtbare Ergebnisse um Aufmerksamkeit und Klicks. Bei einer generierten Antwort kommt eine Verarbeitung hinzu: Das System kann aus der Frage weitere Suchanfragen erzeugen, Informationen auswählen und daraus eine gemeinsame Antwort formulieren. Deine Website ist dann möglicherweise eine von mehreren Quellen.

Im Buch „SEO für KI“ erklären Stefan Gehle und ich das anhand von drei Mechanismen: Training liefert gelerntes Grundwissen, Retrieval bezeichnet die Suche und den Abruf passender Informationen, Synthese das Zusammenführen zur Antwort. Nicht jede Antwort nutzt eine aktuelle Webrecherche. Deshalb kannst du aus einer Nennung allein nicht ableiten, dass gerade deine Website abgerufen wurde.

Eine Marke kann über die eigene Seite, über eine Fremdquelle oder aus dem Modellwissen auftauchen. Fachmedien, Vergleichsportale, Bewertungen und Communities können also eine Rolle spielen, auch wenn deine eigene Domain nicht verlinkt wird. Für die Planung bedeutet das: Du musst die Informationen über dein Unternehmen auch außerhalb deiner Website betrachten.

Ein Beispiel aus einer Kaufentscheidung

Nehmen wir ein fiktives Unternehmen, das Projektmanagement-Software verkauft. Die einfache Suche lautet „Projektmanagement-Software“. Eine konkrete Beratungsfrage könnte heißen: „Welche Software passt zu einem kleinen Team, das Kundenprojekte abrechnet und möglichst wenig Einrichtungsaufwand möchte?“

Jetzt reichen allgemeine Aussagen wie „flexibel“, „leistungsstark“ und „für jedes Team“ kaum aus, um die Eignung zu beurteilen. Relevant werden Funktionen, Voraussetzungen und Grenzen: Unterstützt das Produkt die benötigte Zeiterfassung? Wie funktioniert die Abrechnung? Was muss vor dem Start eingerichtet werden?

Eine Folgefrage kann weitere Bedingungen hinzufügen, etwa eine notwendige Schnittstelle. Damit verändert sich die Auswahl. Wer zunächst genannt wurde, muss unter diesen Bedingungen nicht weiterhin passen. Gute Informationen sollten deshalb die Entscheidung ermöglichen, einschließlich der Gründe, aus denen ein Angebot ungeeignet wäre.

Die konkrete Aufgabe lautet: Prüfe, ob diese Angaben auf der passenden Angebotsseite stehen, ob sie belegt sind und ob wichtige externe Quellen das Angebot korrekt beschreiben. Ergänze fehlende Informationen und berichtige Fehler. Ob das System anschließend anders antwortet, untersuchst du gesondert.

Welche Ergebnisse du auseinanderhalten solltest

ErgebnisWas es bedeutet
NennungDeine Marke erscheint im Antworttext. Der Kontext kann positiv, neutral oder kritisch sein.
QuellenverweisEine konkrete Seite wird als Beleg verlinkt. Das muss keine Empfehlung ihres Anbieters sein.
EmpfehlungDas Angebot wird als passend für den beschriebenen Bedarf dargestellt.

Diese Ergebnisse bauen nicht automatisch aufeinander auf. Deine Seite kann einen Sachverhalt belegen, während ein Wettbewerber empfohlen wird. Dein Angebot kann empfohlen werden, während der Quellenlink zu einem Vergleichsportal führt. Ein gemeinsamer Sichtbarkeitsscore verdeckt solche Unterschiede, wenn seine Bestandteile unklar bleiben.

So leitest du die nächsten Aufgaben ab

  1. Wähle einige reale Entscheidungsfragen. Nutze Fragen aus Vertrieb und Support, einschließlich wichtiger Bedingungen und Einwände.
  2. Dokumentiere einen Ausgangsstand. Halte Fragen, System, Zeitpunkt, sichtbaren Suchmodus, Antworten und Quellen fest. Unterscheide Nennung, Verweis und Empfehlung.
  3. Prüfe eigene Inhalte und Zugänglichkeit. Suche konkrete Fehler und Informationslücken auf den relevanten Seiten.
  4. Untersuche die angezeigten Fremdquellen. Welche Informationen fehlen dort oder stimmen nicht? Wer kann eine Korrektur anregen oder belastbare Informationen liefern?
  5. Ordne Aufgaben zu und prüfe erneut. Redaktion, Produktteam, PR und Webentwicklung bearbeiten unterschiedliche Befunde. Wiederhole die ausgewählten Fragen unter vergleichbaren Bedingungen.

Eine einzelne Antwort bleibt eine Beobachtung. Wiederholungen helfen beim Einordnen; sie bilden trotzdem nur dein gewähltes Testset ab. Für die praktische Arbeitsliste kannst du die GEO-Checkliste nutzen. Die getrennte Auswertung erläutert der Beitrag zur Messung von KI-Sichtbarkeit.

Warum ich beide Begriffe verwende

GEO benennt die zusätzliche Aufgabe, SEO erinnert an die vorhandenen Grundlagen. Ich halte es für sinnvoll, beides zusammen zu planen: erst die Kundenentscheidung verstehen, dann den Ausgangsstand und die verfügbaren Informationen prüfen. Daraus entsteht eine begründete Arbeitsliste. Ein neues Akronym allein liefert sie nicht.

Vom Verständnis zu einer zusammenhängenden Strategie

Cover von SEO für KI von Kai Spriestersbach und Stefan Gehle

Die ersten Schritte stehen hier vollständig. Wenn du daraus ein Vorgehen für dein Unternehmen entwickeln möchtest, verbinden Stefan Gehle und ich in „SEO für KI“ die Grundlagen mit der Umsetzung: Kapitel 1 bis 4 erklären SEO, KI-Suche und Auswahlmechanismen; die weiteren Kapitel führen durch Prompt-Recherche, Messung, Content, Technik und externe Quellen. Das hilft dir, einzelne Befunde zusammenzuführen und die Arbeit im Team zu begründen.

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Kai Spriestersbach

Geschrieben von

Ich bin Kai Spriestersbach, M.Sc. in Web Science. Ich verbinde Forschung zu generativer KI mit Erfahrung als Head of AI, technischer Entwicklung und unternehmerischer Praxis.

Mit AFAIK unterstütze ich Unternehmen und Investoren bei KI-Strategie, der Prüfung technischer und wirtschaftlicher Annahmen sowie vereinbarter Entwicklung. Auf AFAIK teile ich wissenschaftliche Quellen, technische Erfahrungen und nachvollziehbare Einschätzungen – mit ihren Möglichkeiten, Grenzen und offenen Fragen.

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